Donnerstag, 10. November 2011

Higher Education Chaplaincy


Im Gespräch mit Stephen Williams, der am Vormittag bei der Jubiläumsfeier eines Colleges die Queen getroffen hat, erfuhren wir einiges über die higher Education Chaplaincies (Hochschulseelsorge).


In London haben die Hochschulen schon vor einiger Zeit die spirituellen Bedürfnisse der Studierenden und der an den Hochschulen Beschäftigten erkannt und sehen nun einen ökonomischen Vorteil, wenn sie Seelsorge in ihrer jeweiligen Institution ermöglichen. Die Hochschulen stellen dabei sowohl Raum als auch finanzielle Ressourcen als Beitrag zum Gehalt der Seelsorger/innen zur Verfügung.
In London sind knapp 40 Hochschulseelsorger/innen großteils vollzeitbeschäftigt tätig, zuständig jeweils für ALLE Studierenden (nicht nur die anglikanischen) und ALLE an der jeweiligen Hochschule Beschäftigten. Die Auswahl trifft Stephen Williams unter Berücksichtigung der Fachrichtung der Institution.
Gal 3,28 ist ein Schlüsselsatz für die Arbeit der Hochschulseelsorge "Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau, denn ihr alle seid "einer" in Christus Jesus." (Einheitsübersetzung), das heißt, ALLE Menschen in den Institutionen werden unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit und Herkunft vom Team begleitet.

Lunchtimetalk St Helen's Bishopsgate

Lunchtime-Talk in der Eglise Suisse run by St. Helen’s Bishopsgate
Einmal pro Woche treffen sich hier ca. 25 Berufstätige in ihrer Mittagspause, um sich mit einem Bibeltext zu beschäftigen. Heute Mittag haben wir 1 Kor 6 gelesen.
Ablauf:
Teilnehmer kommen an und erhalten (gegen Spende) belegte Brötchen






Während des Mittagessens wird die Bibelstelle durch einen Hauptamtlichen ausgelegt (Schwerpunkt: Wie handeln wir heute gemäß dieser Schriftstelle?)
abschließendes Gebet und kurzes miteinander Plaudern
Dauer: 35 Minuten


Dieses Angebot wendet sich an Berufstätige, die in der Umgebung arbeiten. Werbung geschieht ausschließlich durch Mund-Propaganda.


Begonnen hat der Lunchtime-Talk übrigens mit zwei Personen! In der Zwischenzeit gibt es den Lunchtime-Talk an mehreren Orten und an mehreren Tagen in London.

Gespräch mit Charlie im Anschluss an den Lunchtime-Talk
Da wir am Vorabend leider nicht genügend Zeit hatten, um ausführlich mit Charlie über seinen Arbeitsbereich zu sprechen, lud er uns zu einem Café ein und zeigte uns den Hintergrund der Bible Studies.
- gelesen wird nur das Markus-Evangelium oder in einem Gesamtüberblick Auszüge allen biblischen Büchern
- Die Studierenden werden den einzelnen Bibelgruppen nach Colleges zugeordnet, in der Hoffnung, dass sie sich am Campus öfters treffen und vlt. Anknüpfungspunkte finden
- Die Bibelrunden bieten für viele auch eine gute Möglichkeit zur Partnersuche

Mittwoch, 9. November 2011

St Helen s Bishopsgate - Students bible study

St Helen’s Bishopsgate ist eine protestantisch puritanische Pfarrgemeinde der Diözese London, die besonders in der Bibelarbeit mit Studierenden und Geschäftsleuten aktiv ist.
Der Großteil der hauptamtlichen pastoralen Mitarbeiter/innen wird durch Spenden von Geschäftsleuten finanziert.

Organisation der Students’ Bible Studies:
Ca. 150 Personen pro Abend
Hauptamtliche, zuständig für Training und Begleitung der Ehrenamtlichen
Ehrenamtliche Gruppenleiter/innen der Bible Studies (Vorbereitungszeit pro Woche ca. 4 Stunden)
Teilnehmer/innen aus den verschiedensten Unis und Colleges in London (eigenständige Vorbereitung auf den jeweils nächsten Bibeltext)


Ablauf:
Treffen der Hauptamtlichen mit den Gruppenleiter/innen, bei dem der Bibeltext der jeweils nächsten Woche vorbesprochen wird, Dauer ca. 1 Stunde

Beginn der Bible Studies mit gemeinsamem Abendessen im großen Kirchenraum von St. Helen’s
Bibelgespräche in den ca. 15 Gruppen (Gebet, Lektüre des Bibeltextes, Auslegung, Gebet füreinander, abschließendes Gebet)

Gemütliches Beisammensein zum näher Kennenlernen

Jeden Sonntag finden drei Gottesdienste ohne Eucharistiefeier statt, die von rund 1200 Personen besucht werden.

London Board for schools & Chelsea Academy



An diesem Vormittag besuchten wir die Chelsea Academy, eine Secondary School (11 bis in einem sozialen Brennpunkt (75% der Schüler/innen wohnen in Sozialwohnungen). Die Schule ist in 6 Häuser mit jeweils ca. 100 Schüler/innen unterteilt, die von einem Hausvorstand geleitet werden. Assemblys und Gatherings (verschiedene Arten von Hausversammlungen) finden wöchentlich innerhalb einer solchen Hausgemeinschaft statt.
Vom Staat werden bezüglich Anwesenheit, Pünktlichkeit, etc. genaue Richtlinien vorgegeben. In jeder Woche wird zwischen den einzelnen Häusern der Schule in Form eines Wettbewerbes (Golden Olympics) verglichen, welchen Wert das Haus in den jeweiligen Bereichen erreicht hat. Für die Häuser ist es ein großer Anreiz, den Wettberb zu gewinnen.
Bevor wir an einem dieser Gatherings teilnehmen konnten, mussten wir durch die Sicherheitsschleuse, wo wir Besucherauweise erhielten. Auch innerhalb der Schule wird Sicherheit groß geschrieben; so durften wir keine Fotos machen, auf denen Kinder identifiziert werden könnten.



Erstaunt waren wir über die Sauberkeit und die ruhige Atmosphäre, die uns in der Schule erwartete. In der Schule gibt es kein Lehrer/Konferenzzimmer, keine gesonderten WC-Anlagen für Personal und keine Trennung in WC's für Damen und Herren. Es wird großer Wert auf das Miteinander von Lehrer/innen und Schüler/innen gelegt; Pausenzeiten werden in gemeinsamen Räumlichkeiten verbracht, sodass die Erwachsenen immer zur Verfügung stehen.




Jede/r Schüler/in hat eine/n Mentor/in, die zu engen Bezugspersonen werden. "Der/die Mentor/in soll die zweite Person sein, die von einschneidenen Ereignissen erfährt." (Liz Wolverson wörtlich).


Blick aus der Kapelle in das Zentrum der Schule



Jede Woche hat ein bestimmtes Thema, das von den Schüler/innen ausgearbeitet und im Gathering präsentiert wird - diese Woche war es "Integrität".

Ablauf Gathering:
Moderne Musik
Präsentation durch die Schüler/innen
Vortrag durch Hausvorstand
Organisatorisches
Gebet

Was uns sonst noch aufgefallen ist:
Schuluniformen
Disziplin und Ordnung
Kein Essen und Trinken in den Klassenräumen
Durchgehend Laptopklassen

Gespräch mit Liz Wolverson, Direktorin des London Board of Schools (Verantwortliche für ca. 150 kirchliche Schulen mit 41.000 Schüler/innen)

Ende Zweiter Weltkrieg: Sehr hoher Analphabethismus
Seither Forcierung von Bildung durch den Staat
Kooperation zwischen Staat und Kirche im Bereich Schulen
Schulen bleiben kirchlich, Staat zahlt den Großteil der Ausgaben (Gehälter und Gebäudeerhaltung)
Umfassender Bildungsauftrag, Wissensvermittlung und individuelle Persönlichkeitsbildung, u. a. durch Mentoringprogramme, persönliche Zielvereinbarungen zwischen Lehrer/innen, Eltern und Schüler/innen
Enge Bindung der Absolvent/innen an die Schule und an die Lehrer/innen, oft ehrenamtliches Engagement
Auswahl der Lehrer/innen durch den Board of Schools
"We try to cream off the best." ("Wir versuchen, die besten abzusahnen." (Liz Wolverson wörtlich)
Individueller Karriereweg für Lehrer/innen
Permanente Evaluierung der Schulen und des Lehrpersonals durch den Board of Schools