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Samstag, 5. November 2011

Abschlussberichte und Abschiede

Arbeit an den Abschlussberichten




Dank der weisen Vorausschau von Silvia blieb der letzte Tag ohne offizielle Termine. So konnten wir fleißig und konzentriert an der Zusammenstellung unserer Berichte arbeiten – eine wie wir feststellen mussten umfangreiche Arbeit. In der Mittagspause wurden noch letzte Mitbringsel und „Früchte“ für zu Hause eingekauft, bei Matthias ging sich sogar noch ein Ausstellungsbesuch am Petersberg aus.



Ein besonderes Erlebnis des heutigen Tages war das Verabschieden bei Bischof Joachim Wanke - und sein Zustandekommen. Das Ganze war eher eine spontane Idee, und so versuchten wir, den Herrn Bischof nachmittags kurzerhand anzurufen. Erstaunlicherweise konnten wir ihn direkt erreichen und er meinte, wir sollten doch zu ihm ins Haus kommen, was wir dann tatsächlich machten. Bischof Wanke nahm sich für uns ganz unerwartet zu einem interessanten Gespräch Zeit, und wir bewunderten im Stillen diesen so bescheidenen, gescheiten, fürsorglichen und heiteren Mann. In seiner ganzen Art erinnerte er uns an das biblische Bild eines guten Hirten.
Abschiedstreffen mit Bischof Joachim Wanke
Wir läuten an der Haustüre des Bischofs















Nach der Vesper im Dom – wahrlich eine schöne Form des miteinander Betens – setzten wir uns noch zu einem abschließendem „letzten Abendmahl“ in ein Lokal zusammen, fröhlich und mit  kreativen Auswirkungen für unsere Abschlussberichte.

fröhlich und kreativ






letzte Blicke auf Erfurt



Freitag, 4. November 2011

Jena


Der heutige Tag führte uns zunächst in einer knappen Stunde mit dem Auto nach Jena, einer Stadt mit 100.000 Einwohnern, von denen 25.000 Studenten sind. In Jena gibt es etwa 6.000 Katholiken, die alle zu einer einzigen Pfarre gehören. Pfarrer Ansgar Pohlmann empfing uns herzlich und zeigte uns die Pfarrkirche, eine frühere Friedhofskirche, die auf „Befehl“ Napoleons den Katholiken überantwortet wurden, die bis dahin keine Kirche hatten.
Pfarrer Pohlmann, Jena, mit Pfarrer Keil, Graz


Bei den Erzählungen von Pfarrer Pohlmann , über das Leben seiner Pfarrgemeinde war für uns besonders interessant, dass es etwa 18 Familienkreise in der Pfarre gibt und jährlich eine Gruppe mit ca. 10 Personen für erwachsene Taufwerber.



Gleich neben der Pfarre befinden sich die Räumlichkeiten der KSG, der Katholischen Studentengemeinde. Dort erwartete uns Katharina Pomm, die Leiterin dieser Einrichtung, die gleichzeitig auch für die Studentengemeinde in Weimar zuständig ist. Katharina Pomm kommt aus der Diözese Aachen, in der es vor einigen Jahren einen Aufnahmestopp für Gemeindereferentinnen gab, weswegen viele von ihnen in adere Diözesen „ausgewandert“ sind. Heute sucht die Diözese Aachen wieder dringend GemeindereferentInnen, da es zu wenige gibt.
Die Rohrorgel wird ausprobiert

Als eine besondere Attraktion zeigt uns Katharina Pomm eine von Physikstudenten gebaute „Rohrorgel“, die Studenten aus allen Richtungen anlockt.



Die katholischen Studentengemeinden haben im Osten eine lange Tradition.  Sie waren in DDR Zeiten ein Freiraum des Denkens und Redens, in gewisser Weise eine Parallelwelt. Das Selbstverständnis war stets  jenes einer Gemeinde! Vorträge, gemeinsame Gebets- und auch Essenszeiten bestimmen das Gemeindeleben. Eine sehr gute Zusammenarbeit gibt es mit der evangelischen Studentengemeinde.



Nach der Rückkehr in Erfurt feierten wir um 15.00 Uhr das monatliche Totengedenken in der Allerheiligenkirche mit, in der sich das Kolumbarium befindet. Den Gottesdiensten feierten etwa 35 Personen mit. Er war nicht überladen, aber reich an Zeichen mit Osterkerze, Weihrauch und einem großen Totenbuch.

Vor Beginn des Gottesdienstes konnte jeder, der es wollte, den Namen eines oder mehrere Verstorbener in dieses Buch eintragen.



Dass unsere Erfurt „Kundschafterei“ sehr bald zu Ende gehen wird, merkten wir daran, dass wir heute mit dem Abschied Nehmen beginnen mussten. Dem Seelsorgeamtsleiter, Pfarrer Arndt dankten wir mit einem Steiermark Buch und einigen Flaschen steirischen Weines für seine umsichtige Begleitung und die Koordinierung so vieler Termine für uns. Da er an den Ergebnissen des Kundschafterprojektes sehr interessiert ist, hat er uns von seinem Vorhaben erzählt, im Jahr 2013 eine „Priesterwerkwoche“ mit Erfurter Priestern bei uns in der Steiermark zu organisieren. Vielleicht gibt es also ein Wiedersehen.

Donnerstag, 3. November 2011

3. November

Der heutige Tag begann mit einem Gespräch in sehr angenehmer und persönlicher Atmosphäre mit der evangelischen Pfarrerin Schwarzkopf, die wir zu uns ins Ursulinenkloster zum Frühstück einladen konnten.
Frau Pfarrerin Schwarzkopf zu Gast bei unserem Frühstück 

Nach einer kurzen Vorstellrunde, bei der uns Frau Schwarzkopf gleich sehr persönlich in ihre Lebensgeschichte „hineinschauen“ ließ, ging es bei diesem Frühstücksgespräch um eine Fülle verschiedener Themen. Drei davon sind mir in besonderer Erinnerung:

-   Zunächst „Klinikseelsorge“, da Frau Schwarzkopf als Seelsorgerin in einem großen privaten! Krankenhaus mit ca. 1.000 Betten arbeitet,
-   dann das „Kirchen-feeling“ vor und nach der Wende
-   und schließlich das Thema des Papstbesuches bzw. der Ökumene aus evangelischer Sicht.

In kurzen, aber sehr anschaulichen Worten skizzierte Frau Schwarzkopf, dass vor der Wende die Zugehörigkeit zur Kirche (ev. oder kath.) jedem das starke Gefühl gab, zu einer Opposition gegen einen Staat zu gehören, der von vielen abgelehnt wurde. Kirche sein war „durchtönt“ von einer  Atmosphäre berechtigten und mutigen „dagegen Seins“. Das hatte nach innen die Folge einer starken Zusammengehörigkeit. Der Wegfall des „gemeinsamen Feindbildes“ brachte auch eine Verunsicherung der eigenen Identität mit sich. Heute finden sich aus allen politischen Parteien Leute in der ev. Kirche. Die vielfache Erwartung, Kirche müsse zu gesellschaftlichen Fragen klarer Stellung beziehen, ist vielschichtiger und schwieriger geworden, da es bei jeder Positionierung auch interne Kritik aus irgendeiner Ecke gibt.

Vom Papstbesuch hätte sich Frau Schwarzkopf aus evangelischer Sicht mehr erwartet. Weil  die Erwartungen in der ev. Kirche groß, wenn auch nicht sehr konkret waren, so hätte ein Wort für eine hoffnungsvolle Zukunftsperspektive der Ökumene  ein Aufatmen gebracht. Offizielle gegenseitige Kommuniongemeinschaft und Anerkennung der ev. Kirche als „Kirche“ und nicht nur als „kirchliche Gemeinschaft“ in den römischen Dokumenten wären für Pfarrerin Schwarzkopf große Wünsche. Ansonsten sind für sie die Begegnung und die ökumenische Zusammenarbeit an der Basis wesentlicher als offizielle Stellungnahmen.

Mein bisheriger persönlicher Eindruck (M.Keil) von Ökumene in Thüringen war, dass das gegenseitige Kennenlernen, das interessierte aufeinander Zugehen und persönliche Kontakte auf allen Ebenen Felder sind, auf denen noch vieles fruchtbar zu machen wäre – vor allen schwierigen und kontroversen Fragen.

Nach dem Frühstück überreichte Silvia unserem Gast ein „Sonntagslicht“, und wir gingen mit dem Gefühl auseinander, durch dieses Gespräch gegenseitig beschenkt und bereichert worden zu sein.

Eine kleine Aufmerksamkeit für unsere Gesprächspartnerin: das Sonntagslicht

Am Vormittag wurde dann eifrig an den Berichten gearbeitet.

Zu Mittag gings dann zum Shoppen - schließlich wollen wir ja "Früchte" des Landes mit nach Hause bringen.
Nachdem wir schon einiges über die köstlichen thüringischen Wurstwaren gehört hatten, besuchten wir den „Bauernmarkt“, interviewten einen Marktfahrer, erfuhren etwas über die Wurstsorten Stracke und Gieker und dass man zur Blutwurst hier auch „tote Oma“sagt.

Sie möchten eine Stracke oder einen Gieker?















Bei mildem sonnigem Herbstwetter, das eigentlich zum draußen Sein einlud, trafen wir uns am frühen Nachmittag zunächst im Büro bei Frau Dr. A. Plachta, die uns über eine sehr inhaltlich orientierte und überaus effizient organisierte Kinderpastoral aller 5 Ostbistümer berichtete. „RKW“ ist das Kürzel für jenes Projekt, das uns staunen ließ und allen hier mit Kinderpastoral Beschäftigten das Herz höher schlagen lässt. RKW steht für „Religiöse Kinderwochen“, ein absolut heißer Tipp für unser Amt für Junge Kirche.

Frau Plachta erarbeitet Materialien für die Kinder- und Jugendpastoral
Während Silvia und Barbara sich noch weiter v.a. in ganz konkrete Materialen und ihren Einsatz in der Kinder- und Jugendpastoral vertieften – u.a. ein druckfrische Exemplar mit Geschichten zur Erstkommunionvorbereitung, besuchte Matthias die Leiterin der Abteilung für Finanzen, Frau Braun. Bereitwilligst wurde ihm Einblick über die Finanzgebarung der Diözese gewährt. Davon seien nur 2 Besonderheiten genannt:
-   Die Kirchensteuer ist ca. 3x so hoch wie unser Kirchenbeitrag.
-   Mit dem sogenannten „Strukturbeitrag“ werden die Ostdiözesen substantiell aus den Diözesen der alten Bundesländer unterstützt.
Die Bildung von pfarrlichen „Pflichtbaurücklagen“ und die Errichtung eines eigenen Pensionsfonds erinnern an Bemühungen auch bei uns.



Eine weitere spannende Begegnung bei allerdings schon abnehmender Konzentrationsfähigkeit war der Besuch am Campus der Universität Erfurt, wo die aus Wien stammende Frau Prof. Maria Widl, die Inhaberin des Lehrstuhles für Pastoraltheologie und Religionspädagogik, in einer schönen Villa ihr Institut hat. Angetan waren wir von ihrer Schilderung des ehrlichen und ernsthaften Miteinanders und Zusammenwirkens von Pastoraltheologie und Seelsorgeamt bzw. Bischof Wanke. Weiteres war ihr Blick durch die österreichische Brille auf die kirchliche Situation im Osten, die sie seit mittlerweilen 6 Jahren sehr gut kennt, und einige ihrer Wahrnehmungen und pointierten Interpretationen für uns äußerst aufschlussreich: „In Österreich sind die Atheisten getauft, hier nicht.“ „Die Kirche lebte hier in einer Gegenwelt, die Priester durch ihren starken Familienbezug nicht in einer Sonderwelt.“
Prof. Widl im Gespräch mit den Kundschaftern aus Graz
 Es war wieder ein bis oben angefüllter Tag, der uns am Abend reichlich Arbeit mit Berichte schreiben bescherte. Urlaub ist das hier wahrlich keiner, aber wir sind ja schließlich auch Kundschafter!

Allerseelen, 2.11.2011


Für den 10. Tag unserer „Kundschafterei“ hatten wir folgenden „Menüplan“

-   Teilnahme an der Seelsorgeamtssitzung
o   Rückblick Papstbesuch
o   Strukturreform
-   Gespräch mit Weihbischof Reinhard Hauke
-   Besuch im ega Park, Gartenausstellung (Matthias)
-   Mitfeier des Allerseelengottesdienstes in der Allerheiligenkirche mit Segnung der Urnengräber
-   Steirerabend 


Seelsorgeamtssitzung im Haus St. Martin in Erfurt:
Am Vormittag versammelten sich die MitarbeiterInnen des Seelsorgeamtes aus Erfurt und des Eichsfeldes zu einer Sitzung mit 2 Schwerpunkten:
-   Rückblick auf den Papstbesuch
-   Strukturreform 2020
Seelsorgeamtsleiter Pfarrer Gregor Arndt eröffnete die Sitzung, bei der auch Bischof Joachim Wanke zugegen war, mit einem Schriftwort aus dem Johannesevangelium (Joh 14).
Man gedachte am heutigen Allerseelentag auch einiger Persönlichkeiten, die das Leben des Bistum wesentlich mitgeprägt hatten.
Nach einer kurzen Vorstellung unseres Kundschafterprojektes durch Pfarrer Matthias Keil ging man gleich in medias res.

Seelsorgeamtssitzung im "Konradhaus"


Gespräch mit Weihbischof Reinhard Hauke
Durch sein Bemühen vor allem Nicht-Christen im Blick zu Behalten und ihnen religiöse Feiern zu ermöglichen und ihnen Wege in die Gemeinschaft der Kirche zu ebenen, ist Reinhard Hauke weit über das Bistum Erfurt hinaus bekannt geworden.
Weihbischof Reinhard Hauke, ein beherzter und leidenschaftlicher Seelsorger

 EGA-Park, Thüringens größte Gartenausstellung
Da Matthias von seinen beiden tüchtigen Mit-Kundschafterinnen über Mittag „freigestellt wurde“, nützte er die Zeit zu einem Besuch im „Egapark“.

Der Egapark Erfurt ist einer der größten Blumen und Gartenparks Deutschlands und ist abseits von allen geschichtlichen, kulturellen und kirchlichen Einrichtungen eine „Spezial-Adresse“ für jeden Blumen- und Gartenfreund.



















Steirerabend in Erfurt
Am Nachmittag bereiteten wir uns auf den "Steiermarkabend" in der Begegnungsstätte des Ursulinenklosters vor. Dankenswerterweise durften wir die Teeküche des Klosters für unsere Vorbereitungen benützen. Sr. Agnes war rührend um uns bemüht und half zusammen mit Sr. Martina eifrig mit.  

Als kleines Zeichen des Dankes für unsere herzliche Aufnahme im Bistum Erfurt luden wir gestern Abend im Anschluss an den Allerseelen-Gottesdienst alle Männer und Frauen, die sich während unseres Aufenthaltes viel Zeit für Gespräche mit uns genommen hatten (und noch Zeit nehmen werden), und die uns einen großzügigen Einblick in das kirchliche Leben von Thüringen gewährt hatten, zu einem Steirerabend in die Begegnungsstätte des Ursulinenklosters ein.

Bei steirischer Jause (Bauernsalat, Aufschnitt und Schwarzbrot) begleitet von hervorragenden Weinen aus der Süd- und Weststeiermark wurde gemütlich zusammen gesessen. Diesmal stand das kulturelle und kirchliche Leben der Steiermark im Mittelpunkt. Natürlich durften auch nach dem Essen ein gutes Glaserl Holunderlikör (hausgemacht von der Familie Treichler) sowie Kostproben von Zotterschokolade, hausgemachten Zwieback und Spagatkrapfen nicht fehlen.


steirisches Geselchtes

und Bauernsalat

wurden zubereitet
Im zweiten Teil unseres zeigten wir unseren Gästen anhand einer Powerpoint-Präsentation, einige Bilder aus dem Kirchjahr unserer jeweiligen (Heimat-)Pfarren und ließen den Abend noch mit dem einen oder anderen Gläschen ausklingen.
Sr. Martina und Sr. Agnes im Gespräch

das Schilcherland wurde in den Blick genommen

Die steirischen Köstlichkeiten schmeckten allen.





Dienstag, 1. November 2011

Allerheiligen, 1.11.2011



"Morgenlob" am Allerheiligentag in Erfurt

Fahrt über Stadtilm und Paulinzella nach Saalfeld

Heute starteten wir mit unserem Auto bei herrlichem Herbstwetter am späten Vormittag, um nach Saalfeld zu fahren, einer Stadt mit etwa 25.000 Einwohnern, die eine gute Autostunde im Südosten von Erfurt liegt. Wir hatten ein Treffen mit Stefan Rode vereinbart, dem Sprecher der „Gemeindereferenten“ (Pastoralassistenten), der uns in Theorie und Praxis Einblicke in den Religionsunterricht in der Diaspora vermitteln wollte. Darüber hinaus wollten wir auch noch einen kath. Kindergarten besuchen.
Die Fahrt führte uns durch eine traumhafte hügelige Herbstlandschaft mit zahlreichen thüringischen Dörfern, in denen durchwegs die für hier typischen Fachwerkhäuser zu sehen waren und auch jeweils eine meist gotische Dorfkirche. Diese alten Kirchen sind seit der Reformation alle evangelisch. 2 Kirchen hatten es uns besonders angetan: jene in Stadtilm, die uns wie eine französische Kathedrale erschien und derzeit gerade renoviert wird, und dann die eindrucksvolle Klosterruine von Paulinzella. In einem idyllischen Tal wurde hier im 12. Jhdt. eine große Klosteranlage errichtet, die in den Wirren der Reformation verwaiste, und von der heute nur noch mächtige romanische Säulen und auch die Seitenwände der Kirche erhalten sind. Es sind eindrucksvolle Reste einer versunkenen Zeit, die in unsere Gegenwart hereinreichen.




















In Saalfeld wurden wir schon vom dortigen Pfarrer Wagner erwartet, der für uns Kaffee und Kuchen vorbereitet hatte. Im Gespräch mit ihm erfuhren wir wieder, dass für die Katholiken in der Diaspora die Vereinzelung und die weiten Wege die größten Schwierigkeiten sind. Pastorale Arbeit besteht daher oft darin, Gemeinschaft zu ermöglichen. V.a. für Jugendliche ist das besonders wichtig.

Kundschafterin Barbara notiert alles
Beim Besuch im Kindergarten erfuhren wir, dass auch viele nichtchristliche Eltern ihre Kinder dort gerne anmelden, da sie es ausdrücklich wünschen, dass ihren Kindern etwas von Glaube und Kirche vermittelt wird.

Die Religionsstunde, an der wir teilnehmen durften, wurde im Pfarrhof gehalten. Es waren 6 Kinder aus verschiedenen Schulen um ihren Lehrer versammelt. In der letzten Stunde hatten sie etwas über den Papst gelernt, diesmal waren die Apostel dran. „Die Österreicher reden so komisch“, so kommentierten sie unsre zaghaften Versuche, uns in die Stunde einzubringen.
In der Abenddämmerung eilten wir nach Erfurt zurück, um in der Allerheilgenkirche die Hl. Messe vom heuten Allerheiligentag mitzufeiern. Die kleine gotische Kirche war mit ca. 100 Personen bis auf den letzten Platz gefüllt, Bischof Wanke, Weihbischof Hauke und Kanonikus Hübenthal waren die Zelebranten, die Gemeinde sang kräftig mit und der Bischof ermutigte in seiner väterlichen Art, unseren Weg, ähnlich wie die Heiligen, in Glaube und Vertrauen zu gehen.


Montag, 31. Oktober 2011

31. Oktober: Am Reformationstag im Augustinerkloster in Erfurt

Der 31. Oktober, der Reformationstag, ist in Thüringen, der Heimat Martin Luthers, ein Feiertag. Dafür ist morgen, am Allerheiligentag, wieder ein gewöhnlicher Arbeitstag. Wir wandelten am Vormittag auf den Spuren Martin Luthers – und auch des Papstes - und besuchten das Augustinerkloster, um den „Kantaten-Gottesdienst“ anlässlich des Festtages mitzufeiern. Die Kirche war voll besetzt, das „Publikum“ so wie bei uns eher älteren Datums, die Musik war schön, die Predigt hatte einige befremdliche Teile und die Liturgie war eher knapp. Im Anschluss an den Gottesdienst besuchten wir noch den wunderbaren Kreuzgang des Klosters. Die von Papst Benedikt als Gastgeschenk mitgebrachte wertvolle Handschrift eines Paulustextes wurde leider erst am Nachmittag gezeigt.

Zu Mittag trafen wir uns wieder mit Frau Rademacher, die uns Genaueres über den Zusammenschluss 2er ev. Landeskirchen in Thüringen erklärte und danach unsere Fragen zur „Strukturreform“ beantwortete.




Kantatengottesdienst zum Reformationstag

Kreuzgang des Augustinerklosters

die Kundschafter auf den Spuren der Reformation

Spiegelbild des "Nikolaiturmes" im Haus der Versöhnung

Sonntag, 30. Oktober 2011

In der "Diaspora" - 30.10.2011

7. Tag, Sonntag 30.10.2011
Besuch einer Diasporagemeinde in Sömmerda

Heute hat sich unsere Gruppe wieder geteilt. Barbara und Silvia nutzten die Gelegenheit und wurden nach Eisenach und auf die Wartburg mitgenommen, ich setzte mich ins Auto und fuhr nach Sömmerda im Nordosten von Thüringen, um den Sonntag in einer Pfarre mitten in der Diaspora mitzufeiern und mitzuerleben.

Das bei uns in katholischen Kreisen fast unbekannte Wort Diaspora ist in der Diözese Erfurt allgegenwärtig.
Die Diasporasituation hat ihren Ursprung v.a. in historischen Gründen. Der Nordosten Thüringens ist protestantisches Kerngebiet. Luther stamme von hier und wirkte hier, und so wurde das Gebiet nach der Reformation völlig protestantisch. Auch heute noch sind die zahlreichen mittelalterlichen Kirchen alle evangelisch. Erst im 19. Jhdt. kamen durch die Industrialisierung einige Katholiken ins Land, meist Arbeiter, die aus katholischen Gegenden stammten. In dieser Zeit wurden die ältesten katholischen Kirchen gebaut, so auch jene in  Sömmerda, ein Bau aus roten Backsteinziegeln aus dem Ende des 19. Jhds. Einen weiteren Zustrom erhielt die kath. Kirche nach dem 2. Weltkrieg, da viele Heimatvertriebene aus dem Osten, v.a. aus Schlesien sich hier ansiedelten. Die Schikanen der DDR Diktatur schränkten  christliches Leben ein und behinderten es, sodass es sich nicht weiter entwickelte, sondern wieder schrumpfte. Noch viel stärker als in der kath. Kirche ging das Leben in der ev. Kirche in der DDR Zeit zurück. Die Hoffnung auf einen Aufschwung des kirchlichen Lebens nach der Wende hat sich weder in der katholischen noch in der evangelischen Kirche erfüllt.

Die kath. Kirche in Sömmerda hatte ich schnell gefunden. In der Sakristei wurde ich freundlich begrüßt und zur Konzelebration eingeladen. Es ist eine Erfahrung, die mich immer wiedererstaunt: Ich komme in eine völlig fremde Umgebung, kenne keinen Menschen, aber ich fühle mich nicht fremd, die Liturgie ist mir vertraut und irgendwie bin ich zu Hause. Am Ende der Messe durfte ich einige Worte zu unserem Projekt erzählen. Mit dem Wort „Kundschafter“ gehe ich ein wenig vorsichtiger um, seitdem ich weiß, dass in DDR Zeiten Auslandsagenten so bezeichnet wurden. Die Gemeinde ist erstaunt, dass da jemand von so weit herkommt und sich für sie interessiert und applaudiert am Ende meiner Erklärungen wohlwollend.

Beim Gespräch am Kirchplatz und beim anschließenden Mittagessen in einem Gasthaus - der Pfarrhof wird im Hinblick auf die „Strukturreform“  umgebaut und ist gerade eine große Baustelle - erfahre ich noch viel Interessantes.

In der Diaspora sind die Pfarrsprengel für unsere Begriffe sehr groß, sowohl die Pfarrer als auch die Gläubigen haben in der Regel Fahrtstrecken von 20 – 30 km zurückzulegen, um zu ihren Pfarren bzw. in die Kirche zu kommen. Eine Frau erzählte mir nach der Messe, dass sie 70 km zu den Dekanatsratssitzungen fahren muss.

Pfarrer Pock fährt jeden Sonntag ca. 100 km, um einige seiner Seelsorgsstellen zu besuchen. Da sich in den kleineren Dörfern meist keine kath. Kirche befindet, hat er „Gastrecht“ in einigen ev. Kirchen bzw. Gemeindesälen. Seine Gottesdienstgemeinden sind durchwegs sehr, sehr klein. In den Außenstellen feiert er in der Regel  mit 10 bis 20 Personen die hl. Messe. Pfarrer Pock, ein junger dynamischer Priester, der nach einem 2 jährigen Promotionsstudium an der Gregoriana und seiner 4 jährigen Kaplanszeit erst vor 2 Monaten  Pfarrer geworden ist, lässt sich durch diese Situation aber nicht entmutigen. „Ich bin in der Diaspora aufgewachsen, ich habe die Kirche von Kindheit an so kennengelernt und ich bin gerne hier in Sömmerda.“

Im nächsten Jahr wird ein erster Schritt der diözesanen Strukturreform durchgeführt. Für Pfarrer Pock bedeutet dies, dass er ein ähnlich großes Gebiet wie bisher dazubekommen wird. Gemeinsam mit einem „Kooperator“ und einer Gemeindeassistentin wird er es betreuen, voraussichtlich wird es dann 3 Zentren der Seelsorge geben und zahlreiche Filialen. Pfarrer Pock sieht die Veränderungen als Notwendigkeit und blickt ihnen mit jugendlichem Elan entgegen.

Nach dem Essen macht sich Pfarrer Pock noch auf den Weg zu einer Gräbersegnung mit voraussichtlich ganz wenigen Leuten. Morgen, am 31.10 ist hier ein wichtiger Feiertag, der Reformationstag. Allerheiligen und Allerseelen hingegen sind gewöhnliche Arbeitstage, an denen es keine Totengedenkfeiern auf den Friedhöfen gibt.
Auf der Fahrt zurück nach Erfurt bleibe ich stehen, um noch einen Spaziergang in der schönen thüingischen Landschaft zu machen. Mein Kopf und mein Herz sind voll mit Eindrücken aus den letzten Tagen, die es zu verdauen gilt.




Weltkirche unterwegs in Eisenach und auf der Wartburg

Barbara und ich nahmen die Einladung von Domkapitular Christoph Hübenthal, nach Eisenach und auf die Wartburg zu fahren, gerne an. So ging es gemeinsam mit dem Priester und Sekretär für Berufungspastoral der lateinamerikanischen Bischofskonferenz Alexis R. Vargas und Frau Carmen Martinez von Adveniat in Essen zu Pfarrer Msgn. Gunkel und seiner Pfarrgemeinde nach Eisenach.

vor der Kirche St. Elisabeth in Eisenach

Statue der Hl. Elisabeth

P. Alexis R. Vargas aus Costa Rica hält die Predigt

Nach dem Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Elisabeth und einem köstlichen Mittagessen fuhren wir weiter zur Wartburg.
Wir waren beeindruckt von der mächtigen Burg und ihrer historischen Bedeutung. Für uns hat jetzt das Leben und Wirken der Hl. Elisabeth eine noch tiefere Dimension bekommen.


Wartburg

bunter Thüringer Herbstwald


Nach einer Rosenkranzandacht in Diedorf kehrten wir ins abendliche ERfurt zurück und gönnten uns noch einen Blick vom Petersberg auf die hell erleuchtete Stadt.

Samstag, 29. Oktober 2011

Samstag, 29.10.2011

Kl. Bruder Andreas Knapp,
im Hintergrund Plattenbausiedlung Grünau
Matthias macht einen Ausflug nach Leipzig, um dort die Fraternität der Kleinen Brüder mit Andreas Knapp zu besuchen. Er findet die Wohnung der Gemeinschaft in Leipzig-Grünau, einer riesigen Plattenbausiedlung mit früher 100.000, heute noch 50.000 Einwohnern am Stadtrand.



"Orientierung" bei den Jesuiten in Leipzig
Weiters besucht Matthias noch die einzige kath. Kirche in der Innenstadt von Leipzig, die Propsteikirche und erfährt dort, dass Leipzig einen Katholikenanteil von nur 3% hat. Auch bei der kleinen, von Jesuiten geleiteten Stelle „Orientierung“, die sich recht versteckt und in illustrer Nachbarschaft befindet, schaut er vorbei.





Originalbüro eines Stasi Beamten
Einen besonderen und beklemmenden Eindruck vermittelt das Stasi Museum. Es befindet sich am Originalort des früheren Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) und zeigt anhand zahlreicher Originalobjekte die Struktur und Arbeitsmethoden dieser früher so mächtigen und gefürchteten Behörde. Zur Zeit der Wende (1989) hatte die Staatssicherheit unglaubliche 100.000 hauptberufliche Beamten und noch einmal so viele sogenannte IMs (informelle Mitarbeiter) zur Überwachung der 16 Mio Einwohner. Auf 180 Einwohner kam also ein hauptberuflicher Beamter. Die Mitarbeiter im Ausland, die Auslandsspione also, wurden im offiziellen Sprachgerbauch als „Kundschafter“ bezeichnet.



Diakonats- und Kommunionhelfertreffen – Diaspora - 29.10.2011

Schwungvoll mit einem Lied beginnt dieses Treffen in der Brunnenkirche. Etwa 100 Diakonats- und KommunionhelferInnen mit ihren EhepartnerInnen sind aus der Diaspora gekommen. (Wortgottesdienstleiter)
Das Motto lautet: Wo Gott ist, da ist Zukunft. – IM HEUTE GLAUBEN.
Seelsorgeamtsleiter Domkapitular Pfarrer Gregor Arndt begrüßt alle, dankt für den ehrenamtlichen Dienst und führt ins Thema ein.

Es wird ein Film, der im Vorfeld des Papstbesuches entstanden ist, gezeigt. Der Film beschreibt die Vielfalt des religiösen Lebens im Bistum Erfurt – vom katholisch geprägten Eichsfeld bis zur Diaspora, vom Ordensleben bis zur diakonischen Arbeit der Caritas.
Dazu gibt es Impulsvorträge vom ehemaligen Militärdekan Gremler, Anne Rademacher und Gregor Arndt.
Vortrag in der Brunnenkirche
Nach einem köstlichen Mittagessen, das von der Bildungshausleiterin und zwei Sekretärinnen des Seelsorgeamtes bereitet wurde, hat Silvia Treichler, das Kundschafterprojekt vorgestellt.
Ein Gottesdienst in der Martinskirche beschließt das Treffen.
Kirche zum Hl. Martin















Freitag, 28. Oktober 2011

Stadtrundgang

Erfurt ist eine sehenswerte Stadt .

Kirche St. Ursula und Kloster

Am Anger

Haus St. Martin

Bischöfliches Ordinariat und Wohnsitz des Bischofs

Mariendom und Pfarrkirche St. Severi

St. Severi und Dom

Dom

St. Severi

Domplatz

eines der vielen restaurierten Fachwerkhäuser

Haus zum breiten Herd

Krämerstraße mit vielen kleinen Läden


Rathaus

Statue des Hl. Martin

Augustinerkloster

vor dem Augustinerkloster

Augustinerkirche

Brunnenkirche

Barfüsserkirche

evangelische Kaufmannskirche